Hartmann von Aue, Iwein 525 ff  in der Übersetzung von Thomas Cramer

 

ich sprach `ich wil dich wizzen lân,

ich suoche âventiure.'

do sprach der ungehiure

'âventiure ? waz ist daz ?'

' daz wil ich dir bescheiden baz.

nû sich wie ich gewâfent bin:

ich heize ein riter und hân den sin

daz ich suochende rîte

einen man der mit mir strîte,

der gewâfent sî als ich.

daz prîset in, und sieht er mich:

gesige aber ich im an,

hât man mich vür einen man,

und wirde werder danne ich sî.

sî dir nû nâhen ode bî

kunt umb selhe wâge iht,

des verswîc mich niht,

unde wîse mich dar,

wand ich nâch anders nihte envar.'

 

Ich sprach: `Ich will es dir sagen:

ich suche aventiure.'

Da sagte der Unhold:

`aventiure, was ist das ?'

'Das will ich dir genau erklären.

Sieh her, welche Rüstung ich trage.

Man nennt mich Ritter, und ich habe die Absicht

auszureiten auf die Suche

nach einem Mann, der mit mir kämpfe

und der Waffen trägt wie ich.

Schlägt er mich, so bringt ihm das Ruhm ein,

siege aber ich über ihn,

so sieht man einen Helden in mir,

und meine Würde wächst.

Wenn dir nun hier oder in der Nähe

eine Gelegenheit zu solchem Kampf bekannt ist,

so verschweige es mir nicht,

sondern zeige mir den Weg dorthin,

denn etwas anderes suche ich nicht.'

 

 

Eine wohl nicht ganz ernst gemeinte Definition. Cramer spricht von einer „ironischen Banalisierung“, mit der der unwissende Fragesteller (der gebûre, der ungehiure) über einen Tatbestand informiert wird, der ihm durch seine Herkunft nicht zugänglich ist.